Aufnahmeformular der späteren Schwester Regina

Kloster - Ordensfrau, ‚beschaulich' oder ‚tätig'- dieser Wunsch der Lehrerin Therese Albers stößt auf die Ablehnung ihres Vaters. Er stirbt am 15. August 1907. Ihre Mutter stirbt am 29. November 1914. Aber Ehefrau und Mutter zu werden, ohne ihren Beruf ausüben zu können, ist nicht das Ziel von Therese Albers. Durch ihre Tanten findet sie den Weg zum Dritten Orden des Heiligen Franziskus. Als Schwester des Dritten Ordens erhält sie den Namen ‚Humiliana’, das heißt „die Demütige“. Bald erteilt sie für neue Mitglieder Novizenunterricht und übernimmt Verantwortung im Vorstand. Zum Dritten Orden gehört auch die ‚Bruderschaft vom guten Tod'. Als Verantwortliche führt sie der Bruderschaft Hunderte von Mitgliedern zu. Mehr als Eintausend spenden monatlich 10 Pfennig für gute Zwecke.

Zeitgeschichte:
Die ‚Terziaren' und ‚Terziarinnen' des „Dritten Ordens“ sind  Männer oder Frauen, die sich zum Erreichen religiöser oder sozialer Ziele an bestehende männliche Orden (Erster Orden) oder weibliche Orden (Zweiter Orden) anschlossen. Franziskus ging es um ein reges christliches Leben, konzentriert auf Gottes- und Nächstenliebe. Zu den guten Werken zählen besonders der Einsatz für den Frieden, Krankenbesuche und gegenseitige Hilfe. Daraus entwickelt sich der der Regulierte Dritte Orden des Heiligen Franziskus. Seine Lebensform lautet: „Unseres Herrn Jesu Christi heiliges Evangelium zu beobachten durch ein Leben in Gehorsam, Armut und Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen“.

Nach alter Tradition wurde der Orden der Dominikaner mit den Wesen zwischen Engel und Menschen, den Kerubim (‚beten, segnen') und die Franziskaner mit den Serafim (‚brennen') verglichen. Nach der Vision eines gekreuzigten Serafs zeigten sich bei Franziskus plastische Male der Nägel und der Seitenwunde Jesu (Stigmatisation) als Verweis auf die Bedeutung von Kreuz und Passion Jesu.



Ein "Seraphisches Liebeswerk" entstand 1889 aus Drittordensgemeinschaften mit dem Kapuzinerpater Cyprian Fröhlich im Kapuzinerkloster Ehrenbreitstein. 1914 bestand das "Seraphische Liebeswerk" aus mehr als 300 000 Mitgliedern, für die "Rettung gefährdeter Kinder" vor "Glaubensverlust" und "Verwahrlosung".

Im Kulturkampf waren alle Klöster vorübergehend geschlossen. 1895 wurde das Franziskanerkloster in Dortmund neu gegründet. Mit dem Dortmunder Franziskanerpater Rupertus Müller OFM und anderen Dortmunder Frauen aus dem Dritten Orden gründet Therese Albers den gerichtlich eingetragenen Verein "Seraphische Caritas". Diese ‚Familienhilfe' sollte vor allem kranken Müttern, den Wöchnerinnen und ihren Familien helfen. Es war der Wunsch des Paderborner Bischofs Karl Josef Schulte, solche ‚Familienpflege' ins Leben zu rufen. Ebenso beginnt Franziskanerpater Quintinus Wirtz OFM, unterstützt von Pfarrer Meyer, 1915 in Bochum mit freiwilligen Kräften des Dritten Ordens die Hauspflege. Als Pater Quintinus Wirtz OFM zum Direktor der Terziarengemeinde in Essen ernannt wird, wird auch hier die Familienpflege eingeführt. Mit Schwester Monika Außem beginnt die Pflege am 23. September 1918. Am 15. Oktober 1918 übernimmt Elisabeth Düster die Leitung der Familienpflege in Essen. Jede Schwester kann sich bei einem Einkehrtag am 01. August 1919  entscheiden, sich der Gemeinschaft fest einzufügen und auf persönliches Eigentum zu verzichten. Dieser Tag ist der Gründungstag „Franziskusschwestern der Familienpflege“ in Essen.


Am 08. Dezember 1919 werden zwölf Schwestern der "Seraphischen Caritas" in der Dortmunder Liebfrauenkirche mit eigener Kleidung von Pfarrer Röttgers aufgenommen. Das St. Klara-Heim in der Hövelstraße wird zur Ausbildung weiterer Schwestern erworben. Die Franziskaner in Dortmund fördern und begleiten die „Seraphische Caritas“, darunter besonders Pater Canisius Bielemeier OFM (geboren 1880, gestorben 1946 in Bredenscheid). Bis 1920 gibt es siebenundzwanzig Mitglieder der Familienhilfe (Seraphische Caritas). Gerade in der Zeit der Armut und beginnenden Inflation nach dem Krieg ist ihre Arbeit als Pflege, Familienbetreuung und Nachtwache wichtig.
Pater Eleutherius Ermert (1869-1953) OFM, zeitlebens ein treuer Freund von Therese Albers beschreibt schon damals Theresia Albers:


Die Heiligen haben etwas an sich, das sie kennzeichnet und verrät. Das ist die Ruhe….Selbst in Eile zeigen sie eine innere Ruhe, die sich dem äußeren Menschen mitteilt. Dazu kommt die sonnige Liebenswürdigkeit, das gewinnende Herz, welches in Sanftmut und Güte herrscht….   So war Fräulein Therese Albers, als ich sie in den Jahren 1900 bis 1905 und dann wieder nach 1911 kennen lernte. Erst recht wird sie später die vollendete Heiligkeit gezeigt haben, ohne es selbst zu .glauben oder auch nur zu ahnen. - Ich habe nie an ihrer Heiligkeit gezweifelt, und eine Biographie von ihr wird ganz von selbst das Lebensbild einer Heiligen werden.