Kriegszeit

Für Bombenalarm entsteht zum vorhandenen Splittergraben im bewaldeten Hügel jenseits des Baches ein Bunker. Fast vierzehn Monate vom April 1943 bis zum 11. Februar 1944 wird an diesem Stollen gearbeitet. Am 15. Oktober 1944, am Fest der hl. Theresia von Avila, der Namenspatronin von Mutter Theresia, findet im Luftschutzstollen ein Gottesdienst mit 130 Menschen statt.

Nach einem Angriff im März 1943 auf die Stadt Essen werden ausgebombte Bewohnerinnen und Bewohner der zerstörten Stadt in Bredenscheid aufgenommen. Dazu kommt ein weiteres älteres Ehepaar. Um die Brandwunden des Mannes kümmert sich Mutter Theresia. Mann und Frau sterben im Antoniusheim und werden auf dem Waldfriedhof beerdigt.

Bredenscheid, 13. 04. 1943
Ja, meine lieben Kinder, heute müssen wir Euch auch ein kleines Opfer auferlegen. Einige von Euch würden gewiss gern die schönen Ostertage im Mutterhause verbringen. Durch die schweren Fliegerangriffe auf Essen waren wir gezwungen, über 20 Obdachlosen Aufnahme zu gewähren. So sehr wir uns freuten, wenn wir unsere lieben Schwestern während der Feiertage in unserer Mitte haben könnten, so mussten wir doch dem Drange der Not gehorchend, für die Ärmsten jeden freien Platz abgeben, so dass wir äußerst beschränkt sind im Raum. Ihr kommt dann ein ander Mal.


Am Tage des Angriffs auf die Möhnetalsperre fallen auch auf das Antoniusheim die ersten Phosphorbomben. Stabbomben verfangen sich im Wäscheschacht. Ein Volltreffer fällt südlich vom Hause, ohne zu explodieren. Die Wiesen und Felder sind übersäht von Stabbomben.

Das Altersheim in Hattingen, Eigentum des Antoniusheimes, wird bei einem Angriff getroffen. Das Dach ist abgedeckt, das Nachbarhaus brennt lichterloh, die alten Leute sitzen draußen auf Stühlen und jammern.

Pater Canisius Bielemeier OFM (1880 - 1945) von den Franziskanern in Essen kommt krank und gelähmt nach Bredenscheid. Ihn kennt Mutter Theresia aus Dortmund. Auch im Rollstuhl übt er durch sein freundliches und liebenswürdiges Wesen, seine echte Bescheidenheit und Geduld auf alle im Haus einen unvergesslichen Eindruck aus.

Mehrere Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter holt sie ins Antoniusheim, darunter auch eine schwer misshandelte Ukrainerin, russisch orthodoxer Religion. Auf dem Waldfriedhof liegen elf russische Zwangsarbeiter, die in Bredenscheid starben. Ein Gedenkstein erinnert an die Männer, Frauen und an ein Kind, die 1944 und 1945 ums Leben kamen

Das Altersheim in Hattingen wird zerstört. Die Älteren werden nach Sprockhövel in eine Schule auf Strohlager überführt. Drei alte Leute und ein Mädchen aus dem Antoniusheim kommen um. Das evangelische Krankenhaus erleidet am 18. März so starke Schäden, dass siebzig bettlägerige Kranke zum Antoniusheim transportiert werden. Täglich kommen die Operationskräfte. Nach Ostern geht der ganze Operationssaal nach Bredenscheid ins Refektorium. Der Chefarzt und ein weiterer Arzt ziehen mit in das Antoniusheim. Trotz allem bleiben die Schwestern bei ihren schwach begabten Mädchen, die dadurch vor der Vernichtung gerettet werden. Diakonissen und die Caritasschwestern arbeiten ökumenisch in tiefer Verbundenheit zusammen.  Mutter Theresias Zögern, die Kinder in einer Schule einzuquartieren, bewahrt sie vor dem Vergasen gegen alle Fanatiker - darunter den Chefarzt - die trotz zusammenbrechender Fronten die schwach begabten Mädchen als "lebensunwert" betrachten. Zusätzlich kommen in den letzten Kriegstagen junge Soldaten ins Antoniusheim und fürchten sich, in ihren Uniformen weiterzugehen. Sie werden umgekleidet und vor der Gefangenschaft bewahrt. Spätere Briefe bezeugen, dass sie gut daheim angekommen sind.